J. S. Bach: Johannespassion

Bild der HSK
Aufführung der Johannespassion von J. S. Bach im März 2013 (Digitalfoto: U. Hornstein)

Sonntag, 17. März 2013, 19 Uhr
Freiburg, Martinskirche
(am Rathausplatz)

Die Ausführenden sind:

Katharina Persicke, Sopran
Charlotte Quadt, Alt
Jakob Pilgram, Tenor (Evangelist und Arien)
Matthias Horn, Bass (Jesus)
Falko Hönisch, Bass

Die Heinrich-Schütz-Kantorei Freiburg und ihr Orchester
Konzertmeisterin: Beatrix Hülsemann

Leitung: Bernd Scharfenberger

nach oben

Texte

Johann Sebastian Bach (1685–1750): Johannespassion (BWV 245)

Erster Teil

1. Chor

Herr, unser Herrscher, dessen Ruhm in allen Landen herrlich ist:
Zeig uns durch deine Passion, dass du, der wahre Gottessohn, zu aller Zeit,
auch in der größten Niedrigkeit, verherrlicht worden bist.

2a. Rezitativ

Evangelist:
Jesus ging mit seinen Jüngern über den Bach Kidron, da war ein Garte, darein ging Jesus und seine Jünger. Judas aber, der ihn verriet, wusste den Ort auch; denn Jesus versammlete sich oft daselbst mit seinen Jüngern. Da nun Judas zu sich hatte genommen die Schar und der Hohenpriester und Pharisäer Diener, kommt er dahin mit Fackeln, Lampen und mit Waffen. Als nun Jesus wusste alles, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus und sprach zu ihnen:

Jesus:
Wen suchet ihr?

Evangelist:
Sie antworteten ihm:

2b. Chor

Jesum von Nazareth!

2c. Rezitativ

Evangelist:
Jesus spricht zu ihnen:

Jesus:
Ich bin's.

Evangelist:
Judas aber, der ihn verriet, stund auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bin's, wichen sie zurücke und fielen zu Boden. Da fragete er sie abermal:

Jesus:
Wen suchet ihr?

Evangelist:
Sie aber sprachen:

2d. Chor

Jesum von Nazareth!

2e. Rezitativ

Evangelist:
Jesus antwortete:

Jesus:
Ich hab's euch gesagt, daß ich's sei, suchet ihr denn mich, so lasset diese gehen.

3. Choral

O große Lieb, o Lieb ohn alle Maße,
die dich gebracht auf diese Marterstraße,
ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden,
und du mußt leiden.

4. Rezitativ

Evangelist:
Auf dass das Wort erfüllet würde, welches er sagte:
Ich habe der keine verloren, die du mir gegeben hast.
Da hatte Simon Petrus ein Schwert und zog es aus und schlug nach des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm sein recht Ohr ab, und der Knecht hieß Malchus.
Da sprach Jesus zu Petro:

Jesus:
Stecke dein Schwert in die Scheide. Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat?

5. Choral

Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich
auf Erden wie im Himmelreich.
Gib uns Geduld in Leidenszeit,
gehorsam sein in Lieb und Leid,
wehr und steuer allem Fleisch und Blut,
das wider deinen Willen tut.

6. Rezitativ

Evangelist:
Die Schar aber und der Oberhauptmann und die Diener der Jüden nahmen Jesum und bunden ihn und führeten ihn aufs erste zu Hannas, der war Kaiphas Schwäher, welcher des Jahres Hoherpriester war. Es war aber Kaiphas, der den Jüden riet, es wäre gut, dass ein Mensch würde umbracht für das Volk.

7. Arie

Von den Stricken meiner Sünden
mich zu entbinden,
wird mein Heil gebunden.
Mich von allen Lasterbeulen
völlig zu heilen,
läßt er sich verwunden.

8. Rezitativ

Evangelist:
Simon Petrus aber folgete Jesu nach und ein ander Jünger.

9. Arie

Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten
und lasse dich nicht, mein Leben, mein Licht.
Befördre den Lauf und höre nicht auf,
selbst an mir zu ziehen, zu schieben, zu bitten.

10. Rezitativ

Evangelist:
Derselbige Jünger war dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesu hinein in des Hohenpriesters Palast. Petrus aber stund draußen für der Tür. Da ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus und redete mit der Türhüterin und führete Petrum hinein.
Da sprach die Magd, die Türhüterin, zu Petro:

Magd:
Bist du nicht dieses Menschen Jünger einer?

Evangelist:
Er sprach:

Petrus:
Ich bin's nicht.

Evangelist:
Es stunden aber die Knechte und Diener und hatten ein Kohlfeuer gemacht (denn es war kalt) und wärmeten sich. Petrus aber stund bei ihnen und wärmete sich. Aber der Hohepriester fragte Jesum um seine Jünger und um seine Lehre.
Jesus antwortete ihm:

Jesus:
Ich habe frei, öffentlich geredet für der Welt. Ich habe allezeit gelehret in der Schule und in dem Tempel, da alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgnen geredt. Was fragest du mich darum? Frage die darum, die gehöret haben, was ich zu ihnen geredet habe. Siehe, dieselbigen wissen, was ich gesaget habe.

Evangelist:
Als er aber solches redete, gab der Diener einer, die dabei stunden, Jesu einen Backenstreich und sprach:

Diener:
Solltest du dem Hohenpriester also antworten?

Evangelist:
Jesus aber antwortete:

Jesus:
Hab ich übel geredt, so beweise es, dass es böse sei, hab ich aber recht geredt, was schlägest du mich?

11. Choral

Wer hat dich so geschlagen, mein Heil, und dich mit Plagen so übel zugericht?
Du bist ja nicht ein Sünder wie wir und unsre Kinder,
von Missetaten weißt du nicht.

Ich, ich und meine Sünden, die sich wie Körnlein finden des Sandes an dem Meer,
die haben dir erreget das Elend, das dich schläget,
und das betrübte Marterheer.

12a. Rezitativ

Evangelist:
Und Hannas sandte ihn gebunden zu dem Hohenpriester Kaiphas. Simon Petrus stund und wärmete sich, da sprachen sie zu ihm:

12b. Chor

Bist du nicht seiner Jünger einer?

12a. Rezitativ

Evangelist:
Er leugnete aber und sprach:

Petrus:
Ich bin's nicht.

Evangelist:
Spricht des Hohenpriesters Knecht einer, ein Gefreundter des, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte:

Diener:
Sahe ich dich nicht im Garten bei ihm?

Evangelist:
Da verleugnete Petrus abermal, und alsobald krähete der Hahn. Da gedachte Petrus an die Worte Jesu und ging hinaus und weinete bitterlich.

13. Arie

Ach, mein Sinn, wo willt du endlich hin, wo soll ich mich erquicken?
Bleib ich hier, oder wünsch ich mir Berg und Hügel auf den Rücken?
Bei der Welt ist gar kein Rat, und im Herzen stehn die Schmerzen meiner Missetat,
weil der Knecht den Herrn verleugnet hat.

14. Choral

Petrus, der nicht denkt zurück, seinen Gott verneinet,
der doch auf ein ernsten Blick bitterlichen weinet,
Jesu, blicke mich auch an, wenn ich nicht will büßen,
wenn ich Böses hab getan, rühre mein Gewissen.

Zweiter Teil

15. Choral

Christus, der uns selig macht, kein Bös hat begangen,
der ward für uns in der Nacht als ein Dieb gefangen,
geführt für gottlose Leut und fälschlich verklaget,
verlacht, verhöhnt und verspeit, wie denn die Schrift saget.

16a. Rezitativ

Evangelist:
Da führeten sie Jesum von Kaipha vor das Richthaus, und es war frühe. Und sie gingen nicht in das Richthaus, auf dass sie nicht unrein würden, sondern Ostern essen möchten.
Da ging Pilatus zu ihnen heraus und sprach:

Pilatus:
Was bringet ihr für Klage wider diesen Menschen?

Evangelist:
Sie antworteten und sprachen zu ihm:

16b. Chor

Wäre dieser nicht ein Übeltäter, wir hätten dir ihn nicht überantwortet.

16c. Rezitativ

Evangelist:
Da sprach Pilatus zu ihnen:

Pilatus:
So nehmet ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetze.

Evangelist:
Da sprachen die Jüden zu ihm:

16d. Chor

Wir dürfen niemand töten.

16e. Rezitativ

Evangelist:
Auf daß erfüllet würde das Wort Jesu, welches er sagte, da er deutete, welches Todes er sterben würde.
Da ging Pilatus wieder hinein in das Richthaus und rief Jesu und sprach zu ihm:

Pilatus:
Bist du der Jüden König?

Evangelist:
Jesus antwortete:

Jesus:
Redest du das von dir selbst, oder haben's dir andere von mir gesagt?

Evangelist:
Pilatus antwortete:

Pilatus:
Bin ich ein Jüde? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet, was hast du getan?

Evangelist:
Jesus antwortete:

Jesus:
Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darob kämpfen, dass ich den Jüden nicht überantwortet würde, aber nun ist mein Reich nicht von dannen.

17. Choral

Ach, großer König, groß zu allen Zeiten,
wie kann ich gnugsam diese Treu ausbreiten,
keins Menschen Herze mag indes ausdenken,
was dir zu schenken.

Ich kann's mit meinen Sinnen nicht erreichen,
womit doch dein Erbarmen zu vergleichen,
wie kann ich dir denn deine Liebestaten
im Werk erstatten?

18a. Rezitativ

Evangelist:
Da sprach Pilatus zu ihm:

Pilatus:
So bist du dennoch ein König?

Evangelist:
Jesus antwortete:

Jesus:
Du sagst's, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt kommen, dass ich die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme.

Evangelist:
Spricht Pilatus zu ihm:

Pilatus:
Was ist Wahrheit?

Evangelist:
Und da er das gesaget, ging er wieder hinaus zu den Jüden und spricht zu ihnen:

Pilatus:
Ich finde keine Schuld an ihm. Ihr habt aber eine Gewohnheit, dass ich euch einen losgebe, wollt ihr nun, dass ich euch der Jüden König losgebe?

Evangelist:
Da schrieen sie wieder allesamt und sprachen:

18b. Chor

Nicht diesen, sondern Barrabam!

18c. Rezitativ

Evangelist:
Barrabas aber war ein Mörder. Da nahm Pilatus Jesum und geißelte ihn.

19. Arioso

Betrachte, meine Seel, mit ängstlichem Vergnügen,
mit bittrer Lust und halb beklemmtem Herzen,
dein höchstes Gut in Jesu Schmerzen,
wie dir aus Dornen, so ihn stechen,
die Himmelsschlüsselblumen blühn,
du kannst viel süße Frucht von seiner Wermut brechen;
drum sieh ohn Unterlass auf ihn.

20. Arie

Erwäge, wie sein blutgefärbter Rücken in allen Stücken dem Himmel gleiche geht.
Daran, nachdem die Wasserwogen von unsrer Sündflut sich verzogen,
der allerschönste Regenbogen als Gottes Gnadenzeichen steht.

21a. Rezitativ

Evangelist:
Und die Kriegsknechte flochten eine Krone von Dornen und satzten sie auf sein Haupt und legten ihm ein Purpurkleid an und sprachen:

21b. Chor

Sei gegrüßet, lieber Jüdenkönig!

21c. Rezitativ

Evangelist:
Und gaben ihm Backenstreiche.
Da ging Pilatus wieder heraus und sprach zu ihnen:

Pilatus:
Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, dass ihr erkennet, dass ich keine Schuld an ihm finde.

Evangelist:
Also ging Jesus heraus und trug eine Dornenkrone und Purpurkleid. Und er sprach zu ihnen:

Pilatus:
Sehet, welch ein Mensch!

Evangelist:
Da ihn die Hohenpriester und die Diener sahen, schrieen sie und sprachen:

21d. Chor

Kreuzige, kreuzige!

21c. Rezitativ

Evangelist:
Pilatus sprach zu ihnen:

Pilatus:
Nehmet ihr ihn hin und kreuziget ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm.

Evangelist:
Die Jüden antworteten ihm:

21f. Chor

Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz soll er sterben; denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht.

21g. Rezitativ

Evangelist:
Da Pilatus das Wort hörete, fürchtet er sich noch mehr und ging wieder hinein in das Richthaus und spricht zu Jesu:

Pilatus:
Von wannen bist du?

Evangelist:
Aber Jesus gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm:

Pilatus:
Redest du nicht mit mir? Weißest du nicht, dass ich Macht habe, dich zu kreuzigen, und Macht habe, dich loszugeben?

Evangelist:
Jesus antwortete:

Jesus:
Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben; darum, der mich dir überantwortet hat, der hat's größre Sünde.

Evangelist:
Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn losließe.

22. Choral

Durch dein Gefängnis, Gottes Sohn, muss uns die Freiheit kommen.
Dein Kerker ist der Gnadenthron, die Freistatt aller Frommen,
denn gingst du nicht die Knechtschaft ein, müsst unsre Knechtschaft ewig sein.

23a. Rezitativ

Evangelist:
Die Jüden aber schrieen und sprachen:

23b. Chor

Lässest du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn wer sich zum Könige machet, der ist wider den Kaiser.

23c. Rezitativ

Evangelist:
Da Pilatus das Wort hörete, führete er Jesum heraus, und satzte sich auf den Richtstuhl, an der Stätte, die da heißet: Hochpflaster, auf Hebräisch aber: Gabbatha.
Es war aber der Rüsttag in Ostern um die sechste Stunde, und er spricht zu den Jüden:

Pilatus:
Sehet, das ist euer König!

Evangelist:
Sie schrieen aber:

23d. Chor

Weg, weg mit dem, kreuzige ihn!

23e. Rezitativ

Evangelist:
Spricht Pilatus zu ihnen:

Pilatus:
Soll ich euren König kreuzigen?

Evangelist:
Die Hohenpriester antworteten:

23f. Chor

Wir haben keinen König denn den Kaiser.

23g. Rezitativ

Evangelist:
Da überantwortete er ihn, daß er gekreuziget würde. Sie nahmen aber Jesum und führeten ihn hin. Und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißet Schädelstätt, welche heißet auf Hebräisch: Golgatha.

24. Chor und Arie

Eilt, ihr angefochtnen Seelen, geht aus euren Marterhöhlen,
eilt Wohin? nach Golgatha.
Nehmet an des Glaubens Flügel, flieht Wohin? zum Kreuzeshügel,
eure Wohlfahrt blüht allda.

25a. Rezitativ

Evangelist:
Allda kreuzigten sie ihn, und mit ihm zween andere zu beiden Seiten, Jesum aber mitten inne.
Pilatus aber schrieb eine Überschrift und satzte sie auf das Kreuz, und war geschrieben:
»Jesus von Nazareth, der Jüden König«.
Diese Überschrift lasen viele Jüden; denn die Stätte war nahe bei der Stadt, da Jesus gekreuziget ist. Und es war geschrieben auf hebräische, griechische und lateinische Sprache.
Da sprachen die Hohenpriester der Jüden zu Pilato:

25b. Chor

Schreibe nicht: der Jüden König, sondern dass er gesaget habe: Ich bin der Jüden König.

25c. Rezitativ

Evangelist:
Pilatus antwortet:

Pilatus:
Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

26. Choral

In meines Herzens Grunde dein Nam und Kreuz allein
funkelt all Zeit und Stunde; drauf kann ich fröhlich sein.
Erschein mir in dem Bilde zu Trost in meiner Not,
wie du, Herr Christ, so milde dich hast geblut' zu Tod.

27a. Rezitativ

Evangelist:
Die Kriegsknechte aber, da sie Jesum gekreuziget hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, einem jeglichen Kriegesknechte sein Teil, dazu auch den Rock. Der Rock aber war ungenähet, von oben an gewürket durch und durch. Da sprachen sie untereinander:

27b. Chor

Lasset uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wes er sein soll.

27c. Rezitativ

Evangelist:
Auf dass erfüllet würde die Schrift, die da saget:
»Sie haben meine Kleider unter sich geteilet und haben über meinen Rock das Los geworfen«.
Solches taten die Kriegesknechte.
Es stund aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, Kleophas Weib, und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter sahe und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter:

Jesus:
Weib, siehe, das ist dein Sohn.

Evangelist:
Darnach spricht er zu dem Jünger:

Jesus:
Siehe, das ist deine Mutter.

28. Choral

Er nahm alles wohl in acht in der letzten Stunde,
seine Mutter noch bedacht, setzt ihr ein Vormunde.
O Mensch mache Richtigkeit, Gott und Menschen liebe,
stirb darauf ohn alles Leid, und dich nicht betrübe.

29. Rezitativ

Evangelist:
Und von Stund an nahm sie der Jünger zu sich. Darnach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, dass die Schrift erfüllet würde, spricht er:

Jesus:
Mich dürstet.

Evangelist:
Da stund ein Gefäße voll Essigs. Sie fülleten aber einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Isopen und hielten es ihm dar zum Munde. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er:

Jesus:
Es ist vollbracht.

30. Arie

Es ist vollbracht, o Trost vor die gekränkten Seelen,
die Trauernacht lässt nun die letzte Stunde zählen,
der Held aus Juda siegt mit Macht und schließt den Kampf.
Es ist vollbracht.

31. Rezitativ

Evangelist:
Und neiget das Haupt und verschied.

32. Arie und Chor

Mein teurer Heiland, lass dich fragen,
da du nunmehr ans Kreuz geschlagen
und selbst gesagt, es ist vollbracht,
bin ich vom Sterben frei gemacht,
kann ich durch deine Pein und Sterben
das Himmelreich ererben,
ist aller Welt Erlösung da?
Du kannst vor Schmerzen zwar nichts sagen;
doch neigest du das Haupt
und sprichst stillschweigend Ja.

Jesu, der du warest tot,
lebest nun ohn Ende,
in der letzten Todesnot,
nirgend mich hinwende
als zu dir, der mich versühnt,
o du lieber Herre,
gib mir nur, was du verdient,
mehr ich nicht begehre.

33. Rezitativ

Evangelist:
Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stück von oben an bis unten aus. Und die Erde erbebete, und die Felsen zerrissen, und die Gräber täten sich auf, und stunden auf viel Leiber der Heiligen.

34. Arioso

Mein Herz, in dem die ganze Welt bei Jesu Leiden gleichfalls leidet,
die Sonne sich in Trauer kleidet, der Vorhang reißt, der Fels zerfällt,
die Erde bebt, die Gräber spalten, weil sie den Schöpfer sehn erkalten,
was willst du deines Ortes tun?

35. Arie

Zerfließe, mein Herze, in Fluten der Zähren
dem Höchsten zu Ehren.
Erzähle der Welt und dem Himmel die Not,
dein Jesus ist tot.

36. Rezitativ

Evangelist:
Die Jüden aber, dieweil es der Rüsttag war, dass nicht die Leichname am Kreuze blieben den Sabbat über (denn desselbigen Sabbats Tag war sehr groß), baten sie Pilatum, dass ihre Beine gebrochen und sie abgenommen würden. Da kamen die Kriegsknechte und brachen dem ersten die Beine und dem andern, der mit ihm gekreuziget war. Als sie aber zu Jesu kamen, da sie sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; sondern der Kriegsknechte einer eröffnete seine Seite mit einem Speer, und alsobald ging Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeuget, und sein Zeugnis ist wahr, und derselbige weiß, daß er die Wahrheit saget, auf dass ihr gläubet; denn solches ist geschehen, auf dass die Schrift erfüllet würde:
»Ihr sollet ihm kein Bein zerbrechen.«
Und abermal spricht eine andere Schrift:
»Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben.«

37. Choral

O hilf, Christe, Gottes Sohn,
durch dein bitter Leiden,
dass wir dir stets untertan
all Untugend meiden,
deinen Tod und sein Ursach
fruchtbarlich bedenken,
dafür, wiewohl arm und schwach,
dir Dankopfer schenken.

38. Rezitativ

Evangelist:
Darnach bat Pilatum Joseph von Arimathia, der ein Jünger Jesu war (doch heimlich, aus Furcht vor den Jüden), dass er möchte abnehmen den Leichnam Jesu. Und Pilatus erlaubete es. Derowegen kam er und nahm den Leichnam Jesu herab. Es kam aber auch Nikodemus, der vormals bei der Nacht zu Jesu kommen war, und brachte Myrrhen und Aloen untereinander bei hundert Pfunden. Da nahmen sie den Leichnam Jesu, und bunden ihn in leinen Tücher mit Spezereien, wie die Jüden pflegen zu begraben. Es war aber an der Stätte, da er gekreuziget ward, ein Garte, und im Garten ein neu Grab, in welches niemand je geleget war. Daselbst hin legten sie Jesum, um des Rüsttags willen der Jüden, dieweil das Grab nahe war.

39. Chor

Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine,
die ich nun weiter nicht beweine,
ruht wohl und bringt auch mich zur Ruh.
Das Grab, so euch bestimmet ist,
und ferner keine Not umschließt,
macht mir den Himmel auf und schließt die Hölle zu.

40. Choral

Ach Herr, lass dein lieb Engelein
am letzten End die Seele mein
in Abrahams Schoß tragen,
den Leib in sein'm Schlafkämmerlein
gar sanft, ohn einge Qual und Pein,
ruhn bis am jüngsten Tage.
Alsdenn vom Tod erwecke mich,
dass meine Augen sehen dich
in aller Freud, o Gottes Sohn,
mein Heiland und Genadenthron,
Herr Jesu Christ, erhöre mich, erhöre mich,
ich will dich preisen ewiglich.