Ein romantischer Spaziergang

Heinrich-Schütz-Kantorei Freiburg
Sommerkonzert in Ebersmünster im Juli 2015 (Digitalfoto: U. Hornstein)
Wallfahrtskirche Ebersmünster
Wallfahrtskirche Ebersmünster (Elsass) (Foto: S. Dreher)

Sonntag, 12. Juli 2015, 17 Uhr
Abteikirche Ebersmünster, Elsass

In ihrem diesjährigen Sommerkonzert wartet die Freiburger Heinrich-Schütz-Kantorei erstmals mit Werken für Chor und Klavier auf. Romantische Musik aus Russland und Deutschland bildet den Rahmen des Konzerts:

Sergej Rachmaninovs „Sechs Chöre“ op. 15 sind ein ausgesprochen schöner, aber selten zu hörender Chorzyklus, die Vokalquartette von Johannes Brahms op. 64 und op. 92 erfreuen sich im Gegensatz dazu großer Popularität. Bernd Scharfenberger hat eine Auswahl aus diesen beiden Brahms-Zyklen getroffen, welche thematisch mit den „Sechs Chören“ Rachmaninovs korrespondiert: es geht um Liebe zur Heimat, zur Natur und um das Glück und Leid des menschlichen Daseins. Das Programm wird ergänzt durch eine zeitgenössische Vertonung von Aesop-Fabeln des britischen Komponisten Bob Chilcott (*1955). Darüberhinaus runden solistische Klavierwerke von Brahms und Rachmaninov das diesjährige Programm ab.

Programm

Sergej Rachmaninov (1873–1943):
Elegie es-moll (Op. 3.1)
Prélude h-moll (Op. 32.10)
Sergej Rachmaninov (1873–1943):
Six Chorus (Op. 15), Arr. Elger Niels
Sebastian Bartmann (*1979):
Drei Blicke durch ein Kirchenfenster:
Blendend farbig
Staubbedeckt
Schillernd anders
Bob Chilcott (*1955):
Aesop’s Fables
Johannes Brahms (1833–1897):
aus den Klavierstücken Op. 119
Nr. 2 e-moll, Andantino un poco agitato
Nr. 4 Es-Dur, Allegro risoluto
Johannes Brahms (1833–1897):
An die Heimat (Op. 64 Nr. 1)
Der Abend (Op. 64 Nr. 2)
O schöne Nacht (Op. 92 Nr. 1)
Abendlied (Op. 92 Nr. 3)

Die Ausführenden sind:

Die Heinrich-Schütz-Kantorei Freiburg
Klavier: Sebastian Bartmann

Leitung: Bernd Scharfenberger

nach oben

Texte

Bob Chilcott (*1955): Aesop’s Fables

The Hare and the Tortoise – Der Hase und die Schildkröte

The Mountain in Labour – Der Berg kreißt

The Fox and the Grapes – Der Fuchs und die Trauben

The North Wind and the Sun – Der Nordwind und die Sonne

The Goose and the Swan – Die Gans und der Schwan

Sergej Rachmaninov (1873–1943): Six Chorus (Op. 15), Arr. Elger Niels

1. Славься (Slav′sya) – Sei gepriesen

Text: Nikolay Alexeyevich Nekrasov (1821–1877)

Ehre sei unserem Land, Ehre!
Das Wohl der Nation, ihr Glück,
Friede und Freiheit vor allem!
Den Feind bekämpfend,
unser Friede und Freiheit
wurde durch unsere Vorfahren gesichert.

Liebevoll wie eine vereinigte Familie
befestigen wir unseren Friede
und erweitern unsere Freiheit.
Ehre sei unserem Land, Ehre!
Das Wohl der Nation, ihr Glück,
Friede und Freiheit vor allem!
Ehre!

2. Ночка (Nochka) – Nacht

Text: Vladimir Nikolayevich Lodyzhensky (1859–1932)

Lautlos gleitet die Nacht auf dunklen Flügeln
über die Erde.
Von irgendwo her erklingt ein schweres Lied
durch Tränen verdunkelt.
Eile, fliege hinfort qualvolles Lied.
Dunkle Nacht wird vergehen
Heller Tag wiederkehren,
den Menschen das Glück zurückgeben.
Erschöpft ruht dann die Erde,
in Schlummer eingehüllt
und die Dämmerung wird leuchten
durch den klaren blauen Himmel.

3. Сосна (Sosna) – Ein Fichtenbaum

Text: Mikhail Yuryevich Lermontov (1814–1841), nach Heinrich Heine (1797–1856)

Ein Fichtenbaum steht einsam
Im Norden auf kahler Höh’;
Ihn schläfert; mit weißer Decke
Umhüllen ihn Eis und Schnee.

Er träumt von einer Palme,
Die fern im Morgenland,
Einsam und schweigend trauert
Auf brennender Felsenwand.

4. Задремали волны (Zadremali volny) – Die Wellen schlummerten

Text: Konstantin Konstantinowitsch Romanow (1858–1916)

Die Wellen sind hinweggeschlummert
der Himmel ist klar
der Vollmond leuchtet,
Leuchtet über die azurblauen Wasser.

Bringt das silbrige Meer zum schimmern,
Entfacht zahlreiche Funken
so wie ein Strahl der Freude
hell leuchtet mitten im Leid.

5. Неволя (Nevolya) – Sklaverei

Text: Nikolai Grigoryevich Tsyganov (1797–1831)

„Erzähle mir, Nachtigall, warum isst du nicht,
warum lässt du deinen Kopf hängen und singst nicht deine Lieder?“

„Die Nachtigall sang in den Wiesen des Frühlings.
Nun lass ich meinen Kopf hängen in diesem goldenen Käfig!

Meine Freunde auf dem Ast sehnen sich nach mir,
so auch meine lieben Töchter: Wie soll ich da singen?“

„Ich habe deinen Käfig geöffnet;
Sei glücklich, fliege schnell fort!“

6. Ангел (Angel) – Der Engel

Text: Mikhail Yuryevich Lermontov (1814–1841)

Durch die Himmel flog der Mitternachtsengel
und ein stilles Lied sang er,
während Mond, Sterne und all die vielen Wolken
das heilige Lied belauschten.

Er sang von der Wonne unschuldiger Seelen
In dem Schatten des paradiesischen Gartens;
Von dem großen Herrn sang er,
und sein Lob war aufrichtig.

Eine junge Seele trug er auf den Armen
Hinüber in die Welt des Leids und der Tränen.
Und der Widerhall seines Lieds tief im Herzen,
blieb wortlos, und dennoch lebendig.

Und weit in die Nacht hinein schmachtend
Mit wundersamen Sehnen überfließend,
wurden diese Klänge des Himmels niemals übertroffen
von den matten Liedern der Erde.

Johannes Brahms (1833–1897): Quartette (Op. 64, Op. 92)

An die Heimat (Op. 64 Nr. 1)

Heimat!
Wunderbar tönendes Wort!
Wie auf befiederten Schwingen
Ziehst du mein Herz zu dir fort,
Jubelnd, als müßt’ ich den Gruß
Jeglicher Seele dir bringen,
Trag’ ich zu dir meinen Fuß,
Freundliche Heimat!

Heimat!
Bei dem sanftklingenden Ton
Wecken mich alte Gesänge,
Die in der Ferne mich flohn;
Rufen mir freudenvoll zu
Heimatlich lockende Klänge:
Du nur allein bist die Ruh’,
Schützende Heimat!

Heimat!
Gib mir den Frieden zurück,
Den ich im Weiten verloren,
Gib mir dein blühendes Glück!
Unter den Bäumen am Bach,
Wo ich vor Zeiten geboren,
Gib mir ein schützendes Dach,
Liebende Heimat!

Der Abend (Op. 64 Nr. 2)

Senke, strahlender Gott, die Fluren dürsten
Nach erquickendem Tau, der Mensch verschmachtet,
Matter ziehen die Rosse,
Senke den Wagen hinab!

Siehe, wer aus des Meeres krystallner Woge
Lieblich lächelnd dir winkt! Erkennt dein Herz sie?
Rascher fliegen die Rosse.
Thetys, die göttliche, winkt.

Schnell vom Wagen herab in ihre Arme
Springt der Führer, den Zaum ergreift Cupido,
Stille halten die Rosse,
Trinken die kühlende Flut.

Auf dem Himmel herauf mit leisen Schritten
Kommt die duftende Nacht; ihr folgt die süße
Liebe. Ruhet und liebet!
Phöbus, der Liebende, ruht.

O schöne Nacht (Op. 92 Nr. 1)

O schöne Nacht,
am Himmel märchenhaft erglänzt der Mond in seiner ganzen Pracht;
Um ihn der kleinen Sterne liebliche Genossenschaft.
O schöne Nacht,
Es schimmert hell der Tau am grünen Halm;
Mit Macht im Fliederbusche schlägt die Nachtigall.
Der Knabe schleicht zu seiner Liebsten sacht.
O schöne Nacht!

Abendlied (Op. 92 Nr. 3)

Friedlich bekämpfen Nacht sich und Tag;
wie das zu dämpfen, wie das zu lösen vermag.
Der mich bedrückte, schläfst du schon, Schmerz?
Was mich beglückte, was wars doch, mein Herz?
Freude wie Kummer, fühl ich, zerrann,
aber den Schlummer führten sie leise heran.
Und im Entschweben, immer empor,
kommt mir das Leben ganz wie ein Schlummerlied vor.