Plakat Schütz Exequien 2016

H. Schütz: Exequien

St. Martin Freiburg (S. Dreher)
St. Martin Freiburg (Foto: S. Dreher)
Heinrich-Schütz-Kantorei Freiburg
Herbstkonzert mit Schütz Exequien und Bach Actus tragicus im November 2016 (Foto: U. Hornstein)

Sonntag, 6. November 2016, 19 Uhr

Kirche St. Martin, Freiburg (am Rathausplatz)

Programm

Heinrich Schütz (1585–1672):
Musikalische Exequien (SWV 279–281)
Johann Bach (1604–1673):
Motette „Unser Leben ist ein Schatten“
Johann Sebastian Bach (1685–1750):
Choräle
Actus tragicus (Kantate „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“) (BWV 106)

Die Ausführenden sind:

Angelika Lenter,
Sonja Bühler, Sopran
Sandra Stahlheber, Alt
Joachim Streckfuß,
Jonas Wieczorek, Tenor
Philip Niederberger, Bass

Die Heinrich-Schütz-Kantorei Freiburg und ihr Kammerorchester
Leitung: Bernd Scharfenberger

Über unser Konzert am 6. November 2016 in St. Martin, Freiburg

Todesgedanken in Goldglanz (veröffentlicht am Do, 10. November 2016 auf badische-zeitung.de)

Können Todesgedanken in wohligem Goldglanz daherkommen? Nimmt man den eher versöhnlich-tröstlichen als traurigen „Actus tragicus“ Johann Sebastian Bachs, scheint das gar nicht so weit hergeholt. Besonders dann, wenn er mit so sachter und kundiger Hand hingestellt wird wie in der Freiburger Martinskirche von der Heinrich-Schütz-Kantorei. […] Durchweg liegt der klanglich-interpretatorische Fokus auf Homogenität, weder hohe noch tiefe Register stechen heraus; differenziert wird dynamisch und was die Führung und das Zusammengehen der Register angeht.

[…]

Das Ergebnis ist kleinteilig, aber reich an Gestaltung. Dank fließender Tempi und vorsichtig-bestimmten musikalischen Zugs geht der rote Faden nicht verloren. Nahtlos fügen sich namentlich bei Schütz Chor- und Solistenpartien ineinander. Wie selbstverständlich und flüssig da die Phrasen gebildet und aufeinander aufgebaut werden – das zeugt, insbesondere was den Chor angeht, nicht nur von Einfühlung in das Idiom seines Namenspatrons, sondern auch von hoher Vokalkultur.

Gero Schreier, Badische Zeitung, 10.11.2016
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Texte

Heinrich Schütz (1585–1672): Musikalische Exequien (SWV 279–281)

Dresden, 1636

I. Concert in Form einer teutschen Begräbnis-Missa

Nacket bin ich von Mutterleibe kommen.
Nacket werde ich wiederum dahinfahren,
der Herr hat’s gegeben,
der Herr hat’s genommen,
der Name des Herren sei gelobet.

Herr Gott Vater im Himmel
erbarm dich über uns.

Christus ist mein Leben,
Sterben ist mein Gewinn.
Siehe, das ist Gottes Lamm,
das der Welt Sünde trägt.

Jesu Christe, Gottes Sohn,
erbarm dich über uns.

Leben wir, so leben wir dem Herren,
sterben wir, so sterben wir dem Herren,
darum wir leben oder sterben,
so sind wir des Herren.

Herr Gott heiliger Geist,
erbarm dich über uns.

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingebornen Sohn gab,
auf dass alle, die an ihn gläuben, nicht verloren werden,
sondern das ewige Leben haben.

Er sprach zu seinem lieben Sohn:
die Zeit ist hie zu erbarmen,
fahr hin, mein’s Herzens werte Kron
und sei das Heil der Armen,
und hilf ihn’ aus der Sünden Not,
erwürg für sie den bittern Tod
und lass sie mit dir leben.

Das Blut Jesu Christi,
des Sohnes Gottes,
machet uns rein von allen Sünden.

Durch ihn ist uns vergeben
die Sünd, geschenkt das Leben,
im Himmel soll’n wir haben,
o Gott, wie große Gaben.

Unser Wandel ist im Himmel,
von dannen wir auch warten
des Heilandes Jesu Christi, des Herren,
welcher unsern nichtigen Leib verklären wird,
dass er ähnlich werde seinem verklärtem Leibe.

Es ist allhier ein Jammertal,
Angst, Not und Trübsal überall,
des Bleibens ist ein kleine Zeit
voller Mühseligkeit,
und wers bedenkt, ist immer im Streit.

Wenn eure Sünde gleich blutrot wäre,
soll sie doch schneeweiß werden,
wenn sie gleich wie rosinfarb,
soll sie doch wie Wolle werden.

Sein Wort, sein Tauf sein Nachtmahl
dient wider allen Unfall,
der heilge Geist im Glauben
lehrt uns darauf vertrauen,

Gehe hin, mein Volk, in deine Kammer
und schleuß die Tür nach dir zu,
verbirge dich einen kleinen Augenblick,
bis der Zorn vorübergehe.
Der gerechten Seelen sind in Gottes Hand
und keine Qual rühret sie an,
für den unverständigen werden sie angesehen,
als stürben sie,
und ihr Abschied wird für eine Pein gerechnet,
und ihr Hinfahren für Verderben,
aber sie sind in Frieden.

Herr, wenn ich nur dich habe,
so frage ich nichts nach Himmel und Erden,
wenn mir gleich Leib und Seele verschmacht,
so bist du doch allzeit meines Herzens Trost und mein Teil.

Er ist das Heil und selig Licht für die Heiden,
zu erleuchten, die dich kennen nicht und zu weiden,
er ist seinens Volks Israel der Preis, Ehr, Freud und Wonne.

Unser Leben währet siebenzig Jahr,
und wenn’s hoch kömmt, so sind’s achtzig Jahr,
und wenn es köstlich gewesen ist,
so ist es Müh und Arbeit gewesen.

Ach, wie elend ist unser Zeit allhier auf dieser Erden,
gar bald der Mensch darnieder leit, wir müssen alle sterben,
allhier in diesem Jammertal ist Müh und Arbeit überall,
auch wenn dirs wohl gelinget.

Ich weiß, dass mein Erlöser lebt,
und er wird mich hernach aus der Erden auferwecken,
und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden,
und werde in meinem Fleisch Gott sehen.

Weil du vom Tod erstanden bist, werd ich im Grab nicht bleiben,
mein höchster Trost dein Auffahrt ist, Todsfurcht kannst du vertreiben,
denn wo du bist, da komm ich hin,
dass ich stets bei dir leb und bin,
drum fahr ich hin mit Freuden.

Herr, ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.

Er sprach zu mir; halt dich an mich, es soll dir itzt gelingen,
ich geb mich selber ganz für dich, da will ich für dich ringen,
den Tod verschlingt das Leben mein, mein Unschuld trägt die Sünden dein,
da bist du selig worden.

II. Motette

Herr, wenn ich nur dich habe,
so frage ich nichts nach Himmel und Erden.
Wenn mir gleich Leib uns Seele verschmacht,
so bist du doch, Gott,
allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.

III. Canticum B. Simeonis

Herr, nun lässest du deinen Diener
in Friede fahren,
wie du gesagt hast.
Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,
welchen du bereitet hast für allen Völkern,
ein Licht, zu erleuchten die Heiden
und zum Preis deines Volks Israel.

Selig sind die Toten, die in dem Herren sterben,
sie ruhen von ihrer Arbeit,
und ihre Werke folgen ihnen nach.
Sie sind in der Hand des Herren,
und keine Qual rühret sie.
Selig sind die Toten, die in dem Herren sterben.

Johann Bach (1604–1673): Motette „Unser leben ist ein Schatten“

Unser Leben ist ein Schatten auf Erden.

Ich weiß wohl, dass unser Leben oft nur als ein Nebel ist.
Sind wir doch zu jeder Frist von dem Tode hier umgeben.
Drum ob’s heute nicht geschicht, meinen Jesum lass ich nicht!

Sterb ich bald, so komm ich abe von der Welt Beschwerlichkeit,
ruhe bis zur vollen Freud, und weiß, dass im finstern Grabe
Jesus ist mein helles Licht. Meinen Jesum lass ich nicht!

Ich bin die Auferstehung und das Leben,
wer an mich glaubet, der wird leben,
ob er gleich stürbe,
und wer da lebet und glaubet an mich,
der wird nimmermehr sterben.

Weil du vom Tod erstanden bist,
werd’ ich im Grab nicht bleiben,
mein höchster Trost dein’ Auffahrt ist,
Todsfurcht kann sie vertreiben,
denn wo du bist, da komm ich hin,
dass ich stets bei dir leb’ und bin,
drum fahr ich hin mit Freuden.

Ach, wie flüchtig, ach wie nichtig
ist der Menschen Leben!
Wie ein Nebel bald entstehet
und bald wiederum vergehet,
so ist unser Leben, sehet!

Ach wie nichtig, ach wie flüchtig
sind der Menschen Sachen!
Alles, alles was wir sehen,
das muss fallen und vergehen,
wer Gott fürcht’, bleibt ewig stehen.

Ach Herr, lehr uns bedenken wohl,
daß wir sind sterblich allzumal!
Auch wir allhier keins Bleibens han,
müssen alle davon,
gelehrt, reich, jung, alt oder schön,
müssen alle davon.

Johann Sebastian Bach (1685–1750): Choräle

Ach, wie flüchtig, ach, wie nichtig (BWV 26/6)

1. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Leben!
Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet,
so ist unser Leben, sehet!

2. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig sind der Menschen Tage!
Wie ein Strom beginnt zu rinnen und mit Laufen nicht hält innen,
so fährt unsre Zeit von hinnen.

6. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig sind der Menschen Schätze!
Es kann Glut und Flut entstehen, dadurch, eh wir uns versehen,
alles muss zu Trümmern gehen.

8. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig sind der Menschen Sachen!
Alles, alles, was wir sehen, das muss fallen und vergehen;
wer Gott fürcht’t, wird ewig stehen.

Mitten wir im Leben sind (BWV 383)

1. Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen.
Wer ist, der uns Hilfe bringt, dass wir Gnad erlangen?
Das bist du, Herr, alleine.
Uns reuet unsre Missetat, die dich, Herr, erzürnet hat.
Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott,
heiliger barmherziger Heiland, du ewiger Gott:
lass uns nicht versinken in des bittern Todes Not.
Kyrieleison.

2. Mitten in dem Tod anficht uns der Hölle Rachen.
Wer will uns aus solcher Not frei und ledig machen?
Das tust du, Herr, alleine.
Es jammert dein Barmherzigkeit, unsre Klag und großes Leid.
Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott,
heiliger barmherziger Heiland, du ewiger Gott:
lass uns nicht verzagen vor der tiefen Hölle Glut.
Kyrieleison.

3. Mitten in der Hölle Angst unsre Sünd’ uns treiben.
Wo solln wir denn fliehen hin, da wir mögen bleiben?
Zu dir, Herr Christ, alleine.
Vergossen ist dein teures Blut, das g’nug für die Sünde tut.
Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott,
heiliger barmherziger Heiland, du ewiger Gott:
lass uns nicht entfallen von des rechten Glaubens Trost.
Kyrieleison.

Wenn mein Stündlein vorhanden ist (BWV 95/7)

1. Wenn mein Stündlein vorhanden ist und soll hinfahrn mein Straße,
so g’leit du mich, Herr Jesu Christ, mit Hilf mich nicht verlasse.
Mein Seel an meinem letzten End
befehl ich dir in deine Händ,
du wollst sie mir bewahren!

3. (2.) Ich bin ein Glied an deinem Leib, des tröst ich mich von Herzen;
von dir ich ungeschieden bleib in Todesnot und Schmerzen;
wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir;
ein ewig Leben hast du mir
mit deinem Tod erworben.

5. So fahr ich hin zu Jesu Christ, mein’ Arm tu ich ausstrecken;
so schlaf ich ein und ruhe fein; kein Mensch kann mich aufwecken
denn Jesus Christus, Gottes Sohn;
der wird die Himmelstür auftun,
uns führn zum ewgen Leben.

Johann Sebastian Bach (1685–1750): Actus Tragicus

Kantate „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“ (BWV 106), 14. August 1707

1 Sonatina

2a Coro

Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit.
In ihm leben, weben und sind wir, solange er will.
In ihm sterben wir zur rechten Zeit, wenn er will.

2b Arioso (Tenor)

Ach, Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

2c Aria (Bass)

Bestelle dein Haus;
denn du wirst sterben und nicht lebendig bleiben.

2d Coro

Es ist der alte Bund: Mensch, du musst sterben!

Sopran
Ja, komm, Herr Jesu, komm!

3a Aria (Alt)

In deine Hände befehl ich meinen Geist;
du hast mich erlöset, Herr, du getreuer Gott.

3b Arioso (Bass) e Choral (Alt)

Heute wirst du mit mir im Paradies sein.

Mit Fried und Freud ich fahr dahin
In Gottes Willen,
Getrost ist mir mein Herz und Sinn,
Sanft und stille.
Wie Gott mir verheißen hat:
Der Tod ist mein Schlaf geworden.

4 Coro

Glorie, Lob, Ehr und Herrlichkeit
Sei dir, Gott Vater und Sohn bereit,
Dem heilgen Geist mit Namen!
Die göttlich Kraft
Mach uns sieghaft
Durch Jesum Christum, Amen.